Cardsorting im Ernstfall: Drei Survival-Tipps für Content-Strategie-Grünschnäbel

Die Brandsorting-Methode ist, wie wir wissen, eine von Margot Bloomstein für die Content-Strategie adaptierte Methode, die für Unternehmen sowohl bei der Identitätsfindung als auch auf ’ne Art als Gruppentherapiesitzung hilfreich sein kann und in meinem Falle außerdem wesentlich der Standortbestimmung in der Masterarbeitsfrühphase diente. Die Cardsorting-Feuertaufe beging ich dieser Tage gleich mit zwei Workshops – zusammen mit dem Töscherphilipp von den Kollegen des Grazer Internet-Fachblattes Allcontentstrategy.at.

Wie lief’s? Insgesamt war das schon nicht schlecht, schon ok. Es gibt Ergebnisse. Sie sind brauchbar. Da das Leben aber nicht eine immerwährende Euphorie ist und erstemaletypisch die Dinge nicht immerwährend sauber gearbeitet werden, wenn man sie neu ausprobiert, folgen hier nun meine Learnings aus den noch freshen Praxiserfahrungen als kartensortierender Content-Stratege im Feld.

Kenne die feinen Unterschiede

Es ist so, dass wir als Jahrgang auf Bloomsteinbasis ein eigenes Kartendeck entwickelt haben mit rund 150 (oder so, jedenfalls sind es sehr viele) Adjektiven, die als Markenattribute je nach Branche unterschiedlich verstanden und adaptiert werden können. In jedem Fall solltest du als Content-Strategie dir im Vorfeld wirklich ganz konkrete Gedanken über die möglichen Anwendungsfälle der Attribute in deinem Case machen und Anregungen parat haben, damit die Gruppe ins Diskutieren kommt.

Bei mir war es nämlich zunächst so, dass der Prozess vielleicht nicht vollständig embraced wurde und ein bisschen zäh ablief. Dies gelingt jedoch sicher besser, je mehr Cardsorting-Erfahrung man besitzt und wie tief man gedanklich schon drinsteckt, also im Projekt. Ein Cardsorting ohne Kenntnis und Gespür für das Unternehmen und seine Charaktere halte ich für wenig sinnvoll.

Andererseits, diese Beobachtung des schleppenden Beginns ist auch dahingehend aufschlussreich, dass das strategische Denken bzw. die Manifestierung einer Markenidentität in der Gruppe wahrscheinlich nicht sehr ausgeprägt ist, wenn es erst einmal zu wenigen starken Reaktionen auf die Begriffe kommt. Das sollte sich schließlich noch ändern, hier möchte ich aus Confidentiality-Gründen aber nicht zu sehr ins Detail gehen.

Don’t be too involved

Ist man als Content-Stratege zu sehr Teil des Projekts, ist man vielleicht sogar seit mehreren Jahren Teil des Teams bzw. des Unternehmens, um das sich das Strategie-Projekt dreht, sollte man die Rollenverteilung hinterfragen. Es könnte sich lohnen, einen befreundeten Content-Strategen als Moderator für die Cardsorting-Prozedur einzusetzen und diese Rolle nicht selbst zu übernehmen.

Die Prozesse der Methode sind definiert, und das nicht ohne Grund. Sie benötigt eine gewisse Zielstrebigkeit, aber auch ein überraschendes Momentum, sie möchte eine Debatte über das Why? des Unternehmens oder der Organisation anregen. Die Chance des Gelingens sinkt, wenn sich die Gruppe in kleinteiligen, hundertmal geführten Diskussionen verliert.

Es liegt ganz zentral in deiner Verantwortung als Moderator, dieses Momentum herbeizuführen, die Teilnehmer aus dem Business-as-usual-Mindset herauszulocken und einmal direkt zu hinterfragen, worin eigentlich der gemeinsame Weg, die Motivationen und Ziele des gemeinsamen Handelns begründet sind. Dies wird als unbelasteter Außenstehender in der Regel besser gelingen.

Hinterfragen und ermutigen

Die Superpower des Content-Strategen, das ist nicht nur das connecten der dots zwischen Business, Brand und Benefits, das ist auch insbesondere das Zuhören und das Einbeziehen aller an Content-Prozessen entscheidend mitbeteiligten Personen.

Während des Card-Sortings solltest du als Moderator entsprechend auch jene anwesenden Personen, die sich im Prozess als Angestellte des zweiten Gliedes im Beisein von Entscheidungsträgern eher zurückhalten. Mir erschien es, als hätten gerade diese Personen durch ihre Praxisnähe in der täglichen Kommunikationsarbeit die wichtigen Dinge zu sagen, die zwischen den großen Plänen der Geschäftsführung und den praktischen Möglichkeiten des Unternehmens eine gesunde Balance herstellen.

Wenn es darum geht, Kommunikationsziele zu bestimmen, die vom ganzen Unternehmen mitgetragen werden sollen, muss jeder zu Gehört kommen, der bei ihrer Verwirklichung eine Rolle spielt.

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